Der Knappe

zwei Knappen um 1340 (quelle: ms. bodl. 264 (Alexanderroman))

ACHTUNG: dieser Artikel stammt nich von mir sondern wurde von Turm und Zinne kopiert. Danke Burkhart für die freundliche erlaubnis das ich den Artikel verwenden darf!

Die Gestalt des Knappen: ein Jugendlicher adliger oder zumindest ritterbürtiger Herkunft, der aus dem Einflußbereich elterlicher Fürsorge und Erziehung herausgetreten ist, im Dienst eines fürstlichen Herrn steht und an dessen Hof eine Ausbildung durchläuft, die darauf ausgerichtet ist den Heranwachsenden auf seinen Eintritt in die höfisch-ritterliche Gesellschaft vorzubereiten. Diese Erziehung fördert alle Fähigkeiten, die für die Beherrschung des ritterlichen Waffenhandwerks erforderlich sind und prägt in geistiger Hinsicht das Wertbewußtsein und die Verhaltensnormen des höfischen Menschenbildes. Die abschließende Erhebung zum Ritter leitet zu einem neuen Lebensabschnitt über, der eine eigenverantwortliche Rolle in der höfischen Gesellschaft ermöglicht und zumeist mit dem Aufbruch des jungen Ritters zur Aventiure- oder Turnierfahrt beginnt.

Dieses Bild ist uns aus der höfischen Epik geläufig, doch in wieweit entspricht es der historischen Wirklichkeit?

Informationen zu dieser Thematik liefern sowohl die literaturwissenschaftliche Forschung als auch die Geschichtswissenschaft, wobei beide von sehr unterschiedlichen Quellen ausgehen: kann erstere sich des Aussagewertes ihrer Texte nicht sicher sein was deren Wirklichkeitshintergrund anbelangt, lassen sich die knappen annalistischen Notizen oder nüchternen chronikalischen Berichte nicht mit der atmospärischen Dichte literarischer Überlieferungen vergleichen, vor allem, wenn es um ein Abbild der höfischen Gesellschaft und die glanzvolle Inszenierung ihrer Festkultur geht. Trotzdem sind Ausbildung und Erziehung als Hauptwesensmerkmale neben der Dienstidee dem Knappenbegriff zuzuordnen, soweit dieser in einem höfisch geprägten Milieu angesiedelt ist.

Die adlige Jugenderziehung findet in den deutschen Quellenüberlieferungen des 11. u. 12. Jhs. nur sehr geringe Beachtung; mitteilsamer sind anglo-normannische und französische Überlieferungen. Das Wenige, das bezüglich der geistigen Bildung von Jugendlichen aus geschichtlichen Quellen entnommen werden kann, bezieht sich zumeist auf hochadelige Jugendliche (Prinzen, Fürsten- oder Grafensöhne) und kann nur mit Vorbehalt verallgemeinert werden. Im 12. Jh. wurden an die Erziehung und Ausbildung von Söhnen aus Herrscherhäusern im westlichen Europa hohe Maßstäbe angelegt, um so mehr, falls Söhne auf die Übernahme eines Herrscheramtes vorbereitet wurden, und bei den ihnen in ihrer Jugendzeit vermittelten Kenntnissen und Fähigkeiten griffen geistige Bildung und körperliches Training ineinander. Junge Fürsten, die sich auf die Übernahme einer Herrscheramtes vorbereiteten, entsandte man auch noch nach Abschluß ihrer Erziehung im engeren Sinne an fremde Höfe, vermutlich um Erfahrungen zu gewinnen und Verbindungen anzuknüpfen.

An welchen Hof man Söhne zur Ausbildung schicken konnte, hing von der sozialen Stellung und dem Rang der eigenen Familie wie auch von ihren Lehnsbeziehungen ab. Es galt als erstrebenswert und standesgemäß, wenn eine solche Erziehung an einem Adelshof erfolgte, der dem eigenen gesellschaftlichen Standard rangmäßig überlegen war. Häufig wird es wohl der Hof des Hauptlehnsherrn gewesen sein. Wo es die eigenen Mittel erlaubten wurden jugendlichen Zöglingen darüber hinaus noch besondere ritterliche Erzieher und Lehrmeister an die Seite gestellt, die zugleich als Leibwächter tätig waren.

Quellennachrichten, die den Dienst junger Adliger an fremden Höfen bezeugen, sind verhältnismäßig häufig. Die Bezeichnung Knappe spiegelt in ihrer Bedeutung gerade auch den Dienstgedanken wider, der den jungen Adligen in besonderer Weise mit dem Herrn des ihn erziehenden Hofes verband, auf den sich die zu leistenden Dienste vornehmlich richteten. Ob dem deutschen Königshof ähnlich dem englischen und französischen eine bedeutende, weithin ausstrahlende Anziehungskraft als Ausbildungsstätte junger Adliger zukam, läßt sich angesichts des Fehlens von Quellenhinweisen kaum verläßlich beantworten. Darüber, wie sich die Abläufe der Erziehung und die Vermittlung von Bildung adliger Jugendlicher an den Höfen im einzelnen volllzogen, läßt sich aufgrund von Quellenaussagen kein sicheres Bild gewinnen.

Die Erziehung von Kindern der Oberschicht orientierte sich an bestimmten Altersstufen. Man kann davon ausgehen, daß ein Kind bis zum siebenten Lebensjahr sich im Hause der Eltern aufhielt, wo es vornehmlich von Frauen betreut wurde. Danach ging die Erziehung von Knaben, die für die weltliche Laufbahn ausersehen waren, in die Hände von Männern über. Für Kinder, deren Bestimmung die mönchische Lebensweise war, konnte der Weg bereits aus dem häuslichen Umkreis und der elterlichen Obhut herausführen. Im Alter von 12 bis 13 Jahren hat der Knabe vermutlich den heimischen Umkreis verlassen, um in Gemeinschaft mit Altersgleichen an einem bedeutenderen Hof auf seine künftige Rolle und Stellung in der ritterlich - höfischen Gesellschaft vorbereitet zu werden. Zur Unterweisung in praktischen Kenntnissen und Fähigkeiten und der Ausbildung von Körperfertigkeiten gehörte neben Reittraining und Einübung des Waffengebrauchs auch der Umgang mit Tieren -- Hunden und Beizvögeln - die für das adlige Leben Standessymbole waren.

 

meine Rekonstruktion eines ungerüsteten Knappens um 1320

Indem die heranwachsenden Adeligen aus dem ihnen vertrauten Umfeld des häuslich - elterlichen Milieus heraustraten, um in veränderter Umgebung und orientiert auf andere Bezugspersonen in untergeordneten, dienenden Funktionen an Ereignissen und Begebenheiten teilzunehmen, die adlige Lebensführung in wichtigen Wesenszügen und Einzelaspekten - sei es am Hof, auf Fürstentagen und Adelsversammlungen oder auf Kriegszügen - in besonderer Weise bestimmten und prägten, gewannen sie durch die Vergrößerung ihres eigenen Erfahrungsbereiches Einsichten in die Existenzformen und -Bedingungen adliger Lebensgestaltung und wurden an eigenverantwortliches Handeln herangeführt. Vornehmlich waren es Hilfsdienste und Handreichungen für ihre Herren, die sich aber auch zu Repräsentationspflichten und Ehrendiensten erweitern konnten. Höfische Erziehung schloß sicherlich keine Lesen und Schreiben voraussetzende geistige Bildung und Ausbildung als separaten Lehrvorgang ein. Soweit diese für erforderlich gehalten wurde, war der einzelne Jugendliche mit Elementarformen einer literaten Bildung wohl in der Kindheit zumeist auf Initiative der Eltern vertraut gemacht worden. Vornehmlich dürften Kinder eine geistige / literarische Erziehung in Familien erhalten haben, deren Väter selber eine derartige Ausbildung hatten. Die an den Höfen vermittelte Erziehung bedeutete gewiß nicht ein völliges Fehlen von geistiger Bildung; insbesondere dort wo Kleriker Einfluß auf den Bildungsgang höfisch erzogener junger Adliger gewannen darf man eine Vermittlung ethischer Elemente und eine Einführung in moralisch-sittliche Handlungsweisen, die den ritterlichen Verhaltensnormen als Leitbild dienen sollten, erwarten.

Am Hof waren es die exercitia militaria, das studium armorum, die den Jugendlichen durch körperliche Übungen Geschicklichkeit, Erfahrung, und Selbstvertrauen gewinnen ließen als notwendige Voraussetzungen zur Selbstbehauptung und eigenverantwortlichem Handeln in einer Welt, in der Herrenstellung und Kriegertum in enger Wechselwirkung standen. Einen lebensnahen Einblick ins ritterliche Dasein vermittelte dem Heranwachsenden dabei die praktische Anschauung, die er als Knappe in der Begleitung des Ritters in Dienst- und Unterstützungsfunktionen bei Ausritten, Kriegszügen, Belagerungen und Turnieren gewann. Daran hat sich während des Mittelalters wenig geändert, denn dieses Grundmuster zeichnet sich noch in den einzelnen Stationen der Jugendzeit Götz von Berlichingens ab (*1480/81).

Das Aufwachsen adliger Jugendlicher bedeutete alles andere als einen durch Geburt und Herkunft privilegierten Müßiggang. Der Aufenthalt an einem Hof mit all den Pflichten, die einem jugendlichen Zögling oblagen -- z.B. dem Aufwarten an der Tafel des Herrn oder in der Kemenate; den Diensten, die der Herrin galten; die Kenntnis und Beherrschung der Regeln und Etikette -- bedeutete Einführung in eine Lebenspraxis, deren vermittelten Verhaltensformen der Jugendliche später als erwachsen gewordenes Mitglied der feudalen Oberschicht zu genügen hatte. Die Vertrautheit damit schuf die normgebenden Voraussetzungen für eine künftige eigene Hofhaltung. Allerdings sind es nicht ausschließlich große Adelshöfe fürstlichen Ranges gewesen, an denen Jugendliche -- zumal solche, deren Familien durchschnittliche oder sogar unterdurchschnittliche Verhältnisse innerhalb der adlig-ritterlichen Standesgruppierung verkörperten -- auf ihren Eintritt ins Erwachsenenalter vorbereitet wurden, sondern vielfach Hofhaltungen geringeren Zuschnitts, z.B. die einer einflußreichen Person der eigenen Verwandtschaft.

Es gilt überdies zu berücksichtigen, daß uns Knappen auch in ganz anders gearteten Zusammenhängen begegnen. Sichtet man in den historiographischen Quellen die beiläufigen Äußerungen über Knappen gewinnt man Aufschlüsse, die sich nicht einem sehr hoch einzuschätzenden sozialen Standard zuordnen lassen. Häufig stößt man dabei auf Fakten, die zum Bild höfisch erzogener junger Adliger überhaupt nicht passen wollen. Reiterheere benötigten Unterstützungsdienste leistende Hilfskräfte, schon allein für die Versorgung der Pferde, eine für einen Ritter unstandesgemäße Betätigung. Hieraus entwickelten sich jene Funktionen und Aufgabenbereiche, welche die Dienstbarkeit des Knappen ausmachen. Die Institution des Knappen als Helfer des Ritters war um die Mitte des 11. Jhs. voll entwickelt wie die Chronistik der normannischen Eroberungszüge in Unteritalien erkennen läßt. Verrichtet wurden diese Dienste zum einen von Jugendlichen, die sich darauf vorbereiteten zu Rittern erhoben zu werden, zum anderen rekrutierten sich solche Hilfsmannschaften aus Angehörigen von Schichten, die sozial nicht an die adlig-ritterliche Standesgruppierung heranreichten und die deswegen zwar Knappendienste leisten, aber infolge gesellschaftlicher Schranken nicht Krieger im vollen Sinne des Wortes werden konnten. Ihr Anteil an den Kontingenten der Diener innerhalb feudaler Reiter- bzw. Ritterheere ist ungleich höher als jener, der von adligen Knappen gestellt wurde. Deswegen beziehen sich die in den Quellen -- besonders im Zusammenhang von pauschalen Nennungen -- gebräuchlichen Knappentermini (armiger, scutifer, serviens, famulus, puer) zumeist auf sozialständisch untergeordnete Elemente innerhalb von Heeresformationen, die im Troß oder an der Seite von Herren niedere, als geringwertig empfundene Dienste leisteten. Zwar waren diese Dienste für die Aktionsfähigkeit des einzelnen Ritters ebenso wie für die des gesamten Heeres unverzichtbar, dennoch berichten die Quellen davon häufig mit einer deutlichen Tendenz von Geringschätzung, die meist auch die Funktionsträger dieser Dienste, die Knappen, einschließt. Um keine Fehlbeurteilungen zu treffen muß beim Quellenstudium beachtet werden, daß einige Bezeichnungen darüber hinaus in anderen Zusammenhängen als dem Knappenbegriff stehen können: armiger (= ein junger, sich dem waffenfähigen Alter nähernder Adliger) und serviens (Hilfstruppen im 12. Jh., Fußkämpfer und leichter als die Ritter ausgerüstete Reiter) sowie scutiferi (ähnlich wie serviens / servientes).

 

knappen im Gefolge von Heinrich von Breslau (quelle: Codex Manesse)

Vorrangig sind es die Dienste um die Pferde und ihre Versorgung, die als Aufgabe von Knappen überdeutlich im Vordergrund der Überlieferung stehen (Führen und Bereithalten der Pferde, Pferdepflege und -fütterung, Satteln und Aufzäumen). Besonders dem Beschaffen von Pferdefutter, das die Knappen in eigens dazu dienenden großen Säcken sammeln und herbeibringen mußten, kam große Bedeutung zu. Darüber hinaus leisteten die Knappen im einzelnen kaum abschätzbare persönliche Dienste, die das Leben ihrer Herren im Felde erleichterten und von niederen Tätigkeiten freihielten (u.a. das Sammeln von Brennholz).

Termini wie armiger, scutifer oder scutarius zeigen an, daß der Knappe Waffenträger seines Herrn war, was aber in den Quellen ungleich seltener angesprochen wird. Damit verbundene Funktionen werden in dem Maße zugenommen haben, wie sich die ritterliche Bewaffnung -- und hier besonders die Schutzbewaffnung -- vervollständigte und an Umfang zunahm. Mit dem Transport und dem Bereithalten von Teilen der ritterlichen Bewaffnung eng verbunden war die Hilfestellung, wenn der Ritter die volle Rüstung anlegen mußte, d.h. die Sorge für eine möglichst rasch herzustellende Gefechtsbereitschaft. Gerade dieser Tätigkeitsbereich wird in den Quellen nur sehr selten angesprochen.

Im Laufe des 12. Jhs. scheint sich die Zahl der Knappen, die der einzelne Ritter in seinem Gefolge hatte, erhöht zu haben. Vom Umfang der Ausrüstung, welche der Ritter mit sich führte, war die Zahl der dazu benötigten Pferde abhängig, die sich wiederum darauf auswirkte, ob sich ein oder zwei Knappen in der Begleitung des einzelnen Ritters befanden. Ebenso wird der Umfang der mitzuführenden Ausrüstung und des benötigten Personals von den besonderen Bedingungen und der Dauer einzelner Feldzüge abhängig gewesen sein.

Der Knappe kann nicht im engeren Sinne als Kriegsteilnehmer mit Kombattanten status gelten. Es ist schwierig seine Stellung innerhalb der Rechtsgemeinschaft der Heergenossen genau zu definieren, was einerseits mit dem häufig wohl noch nicht erreichten Volljährigkeitsalter zusammenhängt, andererseits durch seine Zugehörigkeit zum Privatgefolge des Ritters bedingt ist. Knappendienst auf Kriegszügen war mit großen Gefahren verbunden. Um die Versorgung der Pferde mit Kraftfutter (Hafer) zu sichern -- weil die durch große Marschleistungen oft strapazierten Pferde nicht ausschließlich mit Grünfutter versorgt werden konnten -- mußten die Knappen häufig zu gefahrvollen Streifzügen ausrücken, um den Hafer nötigenfalls mit Gewalt einzutreiben. Besonders, wenn ein Heer selber Mangel litt und sich ganz aus dem Lande ernähren mußte, ohne daß auf Märkten eingekauft werden konnte oder Hilfslieferungen herangeführt wurden, waren Plünderungen von Vorräten und Forttreiben von Vieh durch die Knappen Plagen, welche die Bevölkerung beim Durchzug von Heeren erdulden mußte. Hiermit hängen der schlechte Ruf und die Geringschätzung zusammen, die in vielen erzählenden Quellen für die Knappen zum Ausdruck gebracht werden. Auch planmäßig angeordnete Schädigungen ganzer Landstriche wurden von Knappen durchgeführt. Als Angehörige siegreicher Heere trugen Knappen in erheblichen Maße zur Bedrückung aus Ausplünderung der unterworfenen Bevölkerung bei, wenn sie keine strenge Disziplin zurückhielt.

Die Versorgungsstreifzüge von Knappen bedeuteten immer ein hohes Risiko für Leib und Leben, besonders wenn die Knappen dabei nicht von einer ritterlichen Begleitmannschaft eskortiert wurden. Stieß man auf einen Gegner in voller Rüstung waren die schwach bewaffneten Knappen zu wirksamer Gegenwehr nicht in der Lage und wurden meist schonungslos niedergemacht. Auch bei Kampfhandlungen waren die zum Kampf weder vorgesehenen noch ausgerüsteten Knappen nicht weniger gefährdet als die Kämpfer, denn die bestehenden Unterschiede wurden wohl nur selten respektiert. Nachdem die Knappen den Rittern beim Anlegen der Wappnung Hilfestellung geleistet hatten, begleiteten sie diese in die Schlacht, wo sie die Aufgabe hatten ein wenig abgesetzt vom Kampfgeschehen die Pferde zu halten oder den Troß zu bewachen. Hilfsweise konnten die Knappen ins Kampfgeschehen eingreifen, um einem Ritter, der sein Pferd verloren hatte, ein Ersatzpferd zuzuführen oder gestürzten Rittern, die unter toten Pferden zu liegen kamen, aufzuhelfen.

War das Kriegsglück der eigenen Sache gewogen, folgten die Knappen den Kämpfenden und legten dabei niedergeworfenen Gegnern Fesseln an, um ihren Verbleib als lebende Beutestücke für einträgliche Lösegeldforderungen zu sichern. Außerdem plünderten die Knappen die Toten aus (Panzerhemden, Teile der Bewaffnung) und fingen die hoch im Preis stehenden reiter- und herrenlos gewordenen Ritterpferde ein. Man kann wohl unterstellen, daß die Knappen mit dem Bergen der Beutestücke im Auftrag ihrer Herren beschäftigt waren und darf vermuten, daß sich die Knappen eher an persönlichen Wertgegenständen der Toten zu bereichern versuchten, die sich vor einem allgemeinen Zugriff besser verbergen ließen. Natürlich machten nicht nur die Knappen Beute, sondern aus vielen Quellenaussagen geht hervor, daß daran auch die Ritter beteiligt waren.

Entwickelte sich das Kampfgeschehen für die eigene Sache ungünstig oder ging gar die Schlacht verloren, erwiesen sich die Knappen als der schwächste und verwundbarste Teil des Heeres. Gelang es den Rittern auf ihren leistungsfähigen Kriegspferden häufig, sich den Folgen der drohenden Niederlage zu entziehen, gab es für die schlechter berittenen Knappen nur viel geringere Chancen des Entkommens. Ohne genaue eigene Kenntnis über die Lage wurden sie leicht von durchbrechenden gegnerischen Verbänden angefallen und überritten, auf der Flucht eingeholt und erschlagen oder sie fielen bei der Einnahme des eigenen Lagers in die Hände der Sieger, deren ganzer Willkür sie preisgegeben waren. Die Unübersehbarkeit des Ausgangs der Schlacht blieb deshalb auf Haltung und Standvermögen von Knappen während des Schlachtgeschehens selber nicht ohne Rückwirkung. Der Verlust einer Schlacht kostete meist vielen Knappen das Leben. Überdies hatten Knappen noch für ihre Herren lebensgefährliche Aufgaben zu übernehmen. Beispielsweise sandte man Knappen voraus, um auf diese Weise drohende Hinterhalte rechtzeitig zu gewahren oder setzte sie ein, um selber Gegner in einen Hinterhalt zu locken.

Knappen scheinen eine gruppenspezifische, standesbezogene Tracht getragen zu haben und dürften an bestimmten Merkmalen des äußeren Erscheinungsbildes kenntlich gewesen sein (z.B. "nach Knappenart geschorenes Haar").

Knappen waren es, die in Gefangenschaft geratenen heidnischen Gegnern der christlichen Kreuzfahrer die Köpfe abzuschlagen hatten zur Abschreckung und Vergeltung, denn es galt als unehrenhaft für Ritter einen gefangenen, wehrlosen Gegner zu töten.

In anderen Situationen des Kriegs- und Lagerlebens erscheinen die Knappen als zügelloses, nur schwer einer Disziplin unterzuordnendes Element in der ohnehin unter dem Gesichtspunkt von Befehl und Gehorsam schwierigen Führung feudaler Heere, vor allem bei Feldzügen von langer Dauer. So sind es immer wieder auch die Knappen gewesen, deren Ungebärdigkeit und Disziplinlosigkeit, besonders veranlaßt durch den Drang nach Beute, nicht vorhersehbare, von der Führung nicht beabsichtigte Zwischenfälle und Ereignisse provozierten. Friedrich Barbarossa mußte sich auf dem dritten Kreuzzug trotz des sehr disziplinierten Auftretens seines Heeres mit den Erscheinungsformen von Zügellosigkeit und Ungehorsam von Knappen auseinandersetzen, wogegen er mehrfach mit schwersten Strafen wie Verstümmelungen und Hinrichtungen vorging.

In vielen Quellenerwähnungen erscheinen die Knappen als zu vernachlässigende Größe, als anonyme Masse von Individuen, auf die es nicht ankommt und für die das Schicksal auf Kriegszügen und Heerfahrten weniger die Aussicht bereithält, Ritter zu werden, als vielmehr einen kaum beachtenswerten, kollektiven Tod zu finden.

Eine voll zufriedenstellende Antwort auf die Frage, inwieweit das Hauptkontingent derjenigen, die Knappendienste in der von Annalistik und Chronistik überlieferten Form leisteten, überhaupt aus Jugendlichen adliger Herkunft bestand, wird sich kaum finden lassen, da die auf den Knappen anwendbare, weitgefächerte Terminologie unscharf ist und über den Knappenbegriff im engeren Sinne hinausführt. Unbestreitbar ist, daß Jugendliche von qualifizierter Geburt an Heerfahrten teilnahmen, aber es ist unwahrscheinlich , daß sie hierbei einem unkalkulierbar hohen Risiko einer deutlichen Reduzierung ihrer Überlebenschancen ausgesetzt wurden, das den Fortbestand und die Zukunftschancen ihrer Geschlechter negativ beeinträchtigt hätte. Insgesamt gesehen dürfte die Anwesenheit im Gefolge von Herrschern, Fürsten und hochgestellten Adligen die der Wirklichkeit am nächsten kommende Form gewesen sein, in der man sich die Teilnahme adliger Jugendlicher als Knappen am Kriegs- und Kampfgeschehen vorzustellen hat.

zusammengefaßt von Edeltraud C. Beckers aus "Curialitas", Lutz Fenske: "Der Knappe: Erziehung und Funktion", S.55-127

Edeltraut C. Beckers bzw. Hans Blaß –„Die Ritter der Stauferzeit“

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